Das Rahmenwerk der OECD zu Pillar 2 / GloBE (Global Anti-Base Erosion) stellt eine entscheidende Veränderung in der internationalen Steuerpolitik dar, da es sicherstellt, dass große multinationale Unternehmensgruppen (MNE-Gruppen) in jedem Land, in dem sie tätig sind, einen effektiven Mindeststeuersatz (ETR) von 15 % zahlen. Der Erfolg dieses Systems hängt nicht nur von zuverlässigen Regeln ab, sondern auch von robusten digitalen Infrastrukturen für das Daten-Reporting und den Datenaustausch. Aus technischer Sicht hängt der Erfolg von Pillar 2 vom eXtensible Markup Language (XML)-Schema für die GloBE-Informationserklärung (GIR) ab.
Pillar 2 und XML-Schemas: Die digitale Architektur der globalen Mindeststeuerberichte
Christian Neufeldt
Income Tax Consultant, Lucanet
Warum XML das Rückgrat der Berichterstattung nach Pillar 2 ist
Die Einhaltung von Pillar 2 erfordert von multinationalen Unternehmensgruppen die Erstellung und Einreichung komplexer Datensätze über mehrere Gerichtsbarkeiten hinweg. Dazu gehören jurisdiktionsbezogene ETR-Berechnungen, Einkommens- und Steuerabstimmungen sowie Details zu Anpassungen gemäß den GloBE-Regeln. Aufgrund des Umfangs, der Granularität und des wirtschaftlichen Werts dieser Informationen sind herkömmliche Berichtsformate (wie Spreadsheets oder PDFs) für regulatorische Zwecke unzureichend.
Daher stützen sich die OECD und ihre Mitglieder auf das XML-Schema, einen etablierten Standard für den elektronischen Datenaustausch. Dieses Schema bietet ein maschinenlesbares, strukturiertes Format, das verschiedene Datensätze aufnehmen kann und gleichzeitig die Interoperabilität zwischen den Systemen verschiedener Steuerverwaltungen gewährleistet. Ein XML-Schema definiert die genaue Struktur, die Elemente und die Datentypen, die in einer Pillar-2-Meldung zulässig sind, und dient somit als Blaupause für Konsistenz und Validierung.
Von CbCR zu Pillar 2: Aufbau auf bewährten Grundlagen
Die Verwendung von XML im Bereich der Steuertransparenz ist nicht neu. Die im Rahmen der BEPS-Maßnahme 13 eingeführte länderbezogene Berichterstattung (Country-by-Country Reporting, CbCR) stützt sich bereits auf ein XML-Schema, um den Austausch von Steuerinformationen zwischen den Ländern zu erleichtern. Der Erfolg von CbCR zeigt den Wert harmonisierter, digitaler Berichtsrahmen für die Verringerung von Verwaltungsaufwand und die Gewährleistung der Datenvergleichbarkeit. Pillar 2 folgt diesem Weg und baut auf der CbCR-Infrastruktur auf, ist jedoch aufgrund der erforderlichen Berechnungen wesentlich komplexer.
Standardisierung als Vertrauensmechanismus
Die Einführung eines gemeinsamen XML-Schemas für das Reporting nach Pillar 2 ist jedoch mehr als nur eine technische Erleichterung. Es verkörpert einen Vertrauensmechanismus zwischen den steuerrelevanten Jurisdiktionen. Durch die Verwendung standardisierter Strukturen können Steuerbehörden eingehende Meldungen sicher analysieren, validieren und auswerten, ohne rechtliche oder technische Abweichungen befürchten zu müssen. Für multinationale Unternehmen verringert diese Standardisierung die Unsicherheit hinsichtlich der Compliance und senkt das Risiko doppelter Berichtspflichten in verschiedenen Jurisdiktionen. In diesem Sinne erfüllen XML-Schemas eine institutionelle Funktion, indem sie Interoperabilität und Transparenz in die Architektur der globalen Steuerpolitik einbetten.
Die praktischen Herausforderungen für multinationale Unternehmen
Trotz ihrer Nützlichkeit bringen XML-Schemas jedoch auch Herausforderungen mit sich. Die technische Komplexität, die erforderlich ist, um Steuerdaten in eine konforme XML-Struktur zu übertragen, ist erheblich. Darüber hinaus lässt das Schema eine gewisse Flexibilität zu, um jurisdiktionelle Unterschiede bei der Umsetzung zu berücksichtigen. Dies ist zwar für eine breite Akzeptanz durch die nationalen Gesetzgebungen notwendig, stellt jedoch das Konzept eines global einheitlichen Formats in Frage. Die richtige Balance zu finden, wird für die Zukunft von Pillar 2 von entscheidender Bedeutung sein. Es bleiben auch Fragen offen, wie oft das Schema aktualisiert wird und wie die Versionskontrolle über mehrere Jurisdiktionen und Softwareanbieter hinweg verwaltet wird.
Mit Blick auf die Zukunft unterstreicht die Rolle von XML-Schemas bei der Umsetzung von Pillar 2 die tiefe Verflechtung zwischen internationaler Steuerpolitik und digitaler Infrastruktur. So wie die GloBE-Regeln darauf abzielen, die Aushöhlung der Steuerbasis durch rechtliche Innovationen einzudämmen, setzen XML-Schemas dieses Ziel um, indem sie sicherstellen, dass Steuerdatenflüsse präzise, interoperabel und weltweit verständlich sind.
Fazit: Technologie macht die Politik real
Der Erfolg von Pillar 2 hängt nicht nur vom politischen Konsens und der rechtlichen Gestaltung ab, sondern auch von der technologischen Grundlage, die die Einhaltung der Vorschriften unterstützt. XML-Schemas mögen wie eine technische Fußnote erscheinen, aber sie sind in Wirklichkeit das sprachliche Medium, durch das die globale Mindeststeuer zu einer funktionalen Realität wird. In der sich abzeichnenden Landschaft der digitalisierten Steuerverwaltung sind Schemas die stille Architektur der internationalen Steuerpolitik.
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Christian Neufeldt
Income Tax Consultant, Lucanet
Christian Neufeldt ist Income Tax Consultant mit Spezialisierung auf internationale Steuertechnologie bei Lucanet. Zu seinen Schwerpunkten zählen Country-by-Country-Reporting (CbCR und pCbCR), Pillar 2 und Qualified Domestic Minimum Top-up Taxes. Christian verfolgt aufmerksam die Entwicklungen in der Gesetzgebung, mit besonderem Fokus auf Compliance der OECD und der EU sowie der nationalen Gesetze.
Mit seinem Hintergrund im Steuerrecht und seinen wissenschaftlichen Publikationen zum globalen und digitalen Handelsrecht verbindet Christian präzise Rechtslehre mit technologischem Verständnis und spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Verfeinerung der Pillar-2- und CbCR-Module von Lucanet sowie der damit verbundenen Reporting-Instrumente. Bevor er zu Lucanet kam, arbeitete Christian in einer Steuerkanzlei mit Schwerpunkt auf der Besteuerung von Kryptowährungen und digitalen Vermögenswerten. In dieser Funktion arbeitete er eng mit internationalen Partnern zusammen und beriet internationale Kunden. Er hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften der Universität Göttingen in Deutschland, einen Master-Abschluss in internationalem Wirtschaftssteuerrecht der Universität Tilburg in den Niederlanden und einen Master-Abschluss im Bereich Government der Harvard University.