Im Januar haben Tobias Riffel und ich ein Webinar zum Thema Storytelling im Finanzbereich veranstaltet. In Gesprächen mit mehr als 100 Finanzexperten aus aller Welt tauchten immer wieder die gleichen zentralen Themen auf: Wir halten häufig Präsentationen, doch die meisten davon kommen nicht so an, wie wir es uns wünschen. In den letzten Umfragen, die ich durchgeführt habe, gaben etwa 83 Prozent der Finanzexperten an, regelmäßig Präsentationen zu halten, doch rund 84 Prozent der von mir befragten CFOs und Finanzleiter erklärten, sie seien mit der Qualität der Finanzpräsentationen nicht zufrieden. Das ist ein Problem, das wir lösen können.
Hier sind praktischen Tipps, die ich während der Session weitergegeben habe: Dinge, die meiner Meinung nach jeder Finanzexperte sofort umsetzen kann, um seine nächste Präsentation klarer zu gestalten, schneller vorzubereiten und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie zu konkreten Maßnahmen führt.
Die fünf Herausforderungen, denen Finanzexperten gegenüberstehen
Aus den Slido-Umfragen und dem Live-Chat kristallisierten sich fünf wiederkehrende Probleme heraus:
- Keine klare Botschaft
- Präsentationen, die nicht auf das Publikum zugeschnitten sind
- Es fehlt ein schlüssiges Narrativ oder eine entsprechende Struktur
- Überladene Folien voller Daten
- Eine Präsentation, der es an Selbstsicherheit und Engagement mangelt
Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie in guter Gesellschaft. Die gute Nachricht ist, dass es für jedes Problem eine praktische Lösung gibt.
Problem 1: Keine klare Botschaft. Der 3-Was-Filter (The 3-what filter)
Viele Finanzpräsentationen sind voller Zahlen, enthalten aber keine einzige Idee, die man sich merken und umsetzen kann. Um das zu beheben, wenden Sie die sogenannte „3-Was“-Struktur (3-what structure) als einfachen Filter an, bevor Sie den Raum betreten:
- What happened? – Was ist passiert? Erläutern Sie die Fakten und die Ursachen (nicht nur „Umsatzrückgang um 30.000 Dollar“, sondern auch, warum es dazu kam. Zum Beispiel haben wir einen Auftrag im Vereinigten Königreich verloren).
- So what? – Und nun? Erläutern Sie Ihrem Publikum, warum dies von Bedeutung ist (für Führungskräfte bedeutet dies oft die Auswirkungen auf das Jahresergebnis: „Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden wir das Ziel X um Y verfehlen“).
- Now what? – Was jetzt? Schlagen Sie Optionen oder nächste Schritte vor. Sie müssen nicht der Berater sein, der alle Probleme löst; quantifizieren Sie die Optionen und erleichtern Sie die Entscheidungsfindung.
Wenn Ihre Folie oder Ihr Vortragspunkt diese drei Kriterien – Verständnis, Interesse, Handeln – nicht erfüllt, handelt es sich noch nicht um eine Erkenntnis.
Problem 2: Auf die Zielgruppe abstimmen
Die meisten Menschen in einem Unternehmen arbeiten nicht im Finanzbereich. Beachten Sie die Denkweise und die zeitlichen Beschränkungen Ihrer Zielgruppe. Führungskräfte wollen zuerst das Ergebnis sehen. Verwenden Sie die Pyramiden- oder Minto-Struktur: Beginnen Sie mit der Schlussfolgerung, untermauern Sie diese mit zwei oder drei Gründen und gehen Sie dann bei Bedarf näher ins Detail. Auf diese Weise können Sie den Vortrag jederzeit kürzen, falls die Zeit knapp wird.
Aufgabe 3: Schaffen Sie ein Narrativ, lesen Sie kein Reporting
Ein Management-Pack ist eine Dokumentation. Eine Präsentation ist ein Gespräch mit einem bestimmten Zweck. Es ist davon abzuraten, das Berichtspaket einfach nur Seite für Seite vorzulesen. Beginnen Sie stattdessen mit einer prägnanten Darstellung der Situation, des Problems und der Fragestellung (SCQ-Konzept: situation, complication and question), vermitteln Sie die Kernaussage und untermauern Sie diese anschließend mit 2–3 stützenden Fakten. So können Sie bei Bedarf Details auslassen und die Diskussion auf die Entscheidungen konzentrieren.
Aufgabe 4: Entwerfen Sie Folien, um eine Diskussion anzuregen
Ersetzen Sie unübersichtliche Tabellen durch eine aussagekräftige Überschrift, ein einziges Bild, das die Überschrift untermauert (Wasserfall-Diagramme eignen sich hervorragend zur Darstellung von Abweichungen), sowie 2–3 Aufzählungspunkte, die die Elemente des Diagramms mit Ihren Kernaussagen verknüpfen. Eine gute Folie ist eine, die den Einstieg in ein produktives Gespräch erleichtert.
Aufgabe 5: Durch Vorbereitung Selbstvertrauen aufbauen
Meistens rührt Nervosität von mangelnder Vorbereitung her. Üben Sie Ihren Aufbau und mögliche Fragen. Bereiten Sie das Gespräch nicht zu sehr vor – Authentizität ist wichtig, aber üben Sie ausreichend, damit Ihre Antworten ruhig und klar ausfallen.