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CFOworld, 28.02.2013


Kosten sparen durch Kannfelder

von: Carsten Gerger

 

Freiwillige Angaben in der E-Bilanz erfordern zusätzlichen Aufwand. Dennoch könnte es sich lohnen, im Risiko-Rating der Finanzwaltung nicht negativ aufzufallen. Carsten Gerger führt aus.

Mit dem Steuerbürokratieabbaugesetz wurde die Grundlage für die elektronische Bilanz (E-Bilanz) geschaffen. Nach § 5b Einkommensteuergesetz (EStG) sind demnach alle bilanzierungspflichtigen Unternehmen verpflichtet, ihre Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz elektronisch an die Finanzbehörden zu übermitteln. Diese Regelung wird erstmals für alle Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2012 beginnen, verbindlich.

Im Zuge der E-Bilanz-Einführung wird die Finanzverwaltung ein Risikomanagementsystem aufbauen, in dem die Daten der Steuerpflichtigen analysiert werden. Ausgehend von den individuellen Risikoeinschätzungen soll unter anderem die Terminierung von Betriebsprüfungen und deren Schwerpunkte erfolgen. Bei Unternehmen, die im Risiko-Rating hingegen nicht negativ auffallen, soll eine höhere Automatisierung der steuerlichen Veranlagung erreicht werden.

Erste Reaktionen


Nach Veröffentlichung der ersten Details zur E-Bilanz gab es laute Proteste aus den Reihen der Unternehmen. Die geforderte Detailtiefe sei nur mit weitreichenden Änderungen des Buchungsverhaltens und diversen Prozessanpassungen zu realisieren. Erhebliche Mehrkosten seien die Folge, was im Vergleich zum Nutzen der E-Bilanz unverhältnismäßig sei.

Doch wie sieht es derzeit tatsächlich aus? Was geschieht, wenn die geforderte Detailtiefe nicht abbildbar ist? Muss das Buchungsverhalten tatsächlich geändert werden? Um die voranstehenden Fragen zu beantworten, müssen zunächst die Grundlagen der E-Bilanz erläutert werden.

Grundlagen der E-Bilanz


Auf den ersten Blick erscheint das Thema E-Bilanz nur eine Veränderung der Abgabe der Steuerbilanz zu sein - nämlich weg vom Papier, hin zum elektronischem Versand. Dies ist aber zu kurz gedacht, denn über § 51 Abs. 4 Nummer 1b EStG darf der Gesetzgeber den Mindestumfang der elektronisch zu übermittelnden Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung bestimmen. Das geschieht in der sogenannten E-Bilanz-Taxonomie, die im letzten Stand in der Version 5.1 vom 1. Juni 2012 vorliegt.

Über diese Vorschrift führt der Gesetzgeber praktisch eine Art amtlichen Kontenrahmen ein, der letztendlich den Mehraufwand für die Steuerpflichtigen durch das Zuordnen der Konten auf die Taxonomie bedeutet. Bei den Taxonomien ist zu unterscheiden zwischen der Kerntaxonomie, die für alle Gesellschaften unabhängig von Rechtsform und Größe gilt, und den Ergänzungs- respektive Spezialtaxonomien. Während die Ergänzungstaxonomien die Kerntaxonomie für bestimmte Branchen - beispielsweise für die Wohnungswirtschaft - erweitern, ersetzen die Spezialtaxonomien die Kerntaxonomie bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen.

Was muss übermittelt werden?


Gemeinsam haben die unterschiedlichen Taxonomien den grundsätzlichen Aufbau. Dieser setzt sich zusammen aus verschiedenen Feldarten, nämlich den Muss-, den Kann- und den Auffangfeldern. Die Mussfelder geben den Mindestumfang der E-Bilanz vor, der sich auf etwa 400 Positionen beläuft. Die Kannfelder ergänzen die E-Bilanz um weitere Informationen, die freiwillig vom Steuerpflichtigen auszufüllen sind. Im Vergleich zu den verpflichtenden Angaben nach § 266 HGB und § 275 HGB für zum Beispiel eine mittelgroße Kapitalgesellschaft ergibt sich somit ein Anstieg des Detaillierungsgrades um einen vierfachen Faktor. In dem Gerüst der Mussfelder sollte sich dementsprechend jeder Steuerpflichtige wiederfinden. Zur Konzentration auf das Wesentliche empfiehlt es sich daher für viele Unternehmen, im ersten Schritt die Kannfelder weitgehend zu ignorieren.

Die Mussfelder hingegen müssen zwingend mit einem Wert gefüllt werden, entweder mit einem Zahlenwert oder, falls der Sachverhalt nicht vorhanden ist beziehungsweise sich nicht aus der Buchführung ableiten lässt, mit einem NiL-Wert. NiL steht dabei für Not in List, also für die Abwesenheit eines Wertes. Grundlegend in diesem Zusammenhang ist nun offensichtlich die Frage, wie die Ableitung aus der Buchführung definiert ist.

Wie die Finanzverwaltung mittlerweile erläutert hat, sollen Eingriffe in das Buchungsverhalten vermieden werden. Die Informationen, die folglich zwingend übermittelt werden müssen, beziehen sich somit nur auf das Hauptbuch. Sämtliche weitere Quellen wie Nebenbücher, Excel-Dateien oder Buchungsschlüssel sind nicht verpflichtend zu übermitteln. In diesem Zusammenhang kommen die Auffangpositionen ins Spiel, die zu verwenden sind, wenn Informationen nicht im von der Finanzverwaltung gewünschten Detailgrad vorhanden sind. Dies bedeutet, dass kein Unternehmen gezwungen ist, sein Buchungsverhalten umzustellen, da es für alle zu übermittelnden Positionen mit Ausnahme des Eigenkapitals Auffangpositionen gibt.

Schlussfolgerung: Keine Umstellungen?


Somit könnte man zu dem Schluss kommen, dass Anpassungen des Kontenrahmens und des Buchungsverhaltens nicht notwendig sind. Aber ist das wirklich der Fall? Wie eingangs erläutert, wird mit der E-Bilanz das Ziel verfolgt, ein Risikomanagementsystem aufzubauen, um bei risikoreichen Unternehmen gezielt eine Betriebsprüfung durchzuführen. Wenn Unternehmen also in diesem Risikomanagementsystem nicht negativ auffallen, können unter Umständen Betriebsprüfungen vermieden werden. Daher sollte sich jeder Steuerpflichtige Gedanken darüber machen, in welchen Bereichen neue Konten eingerichtet werden sollten, um Informationen problemlos an das Finanzamt übermitteln zu können – und somit nicht negativ im Risiko-Rating aufzufallen.

Für anschlussgeprüfte Unternehmen, bei denen die Betriebsprüfung in der Vergangenheit in regelmäßigen Abständen stattgefunden hat, ist aber dieses Argument auch nicht vollständig überzeugend. Denn auch in Zukunft wird die Betriebsprüfung bei Großbetrieben an den vorhergehenden Prüfungszeitraum anschließen. Sinnvoller ist bei diesen Unternehmen eher die Sichtweise, dass durch einen höheren Detaillierungsgrad der übermittelten E-Bilanz Rückfragen von Seiten der Finanzverwaltung vermieden werden können. Dies wiederum kann zu einer Verkürzung der Betriebsprüfungen führen und würde demzufolge Kosten einsparen.

Kein Zwang zu Veränderungen


Die E-Bilanz zieht sicherlich nicht die schwerwiegenden Folgen nach sich, wie anfangs von allen Steuerpflichtigen befürchtet wurde. Nach der Kritik an den ersten Entwürfen der Taxonomie und der Reaktion der Finanzverwaltung, nämlich dem Einführen diverser weiterer Auffangpositionen, ist nach derzeitigem Stand kein Steuerpflichtiger gezwungen, seine Kontenstruktur und sein Buchungsverhalten zu verändern. Dies wird noch einmal durch die Aussage der Finanzverwaltung unterstützt, dass Auffangpositionen langfristig bestehen werden und es nicht beabsichtigt ist, diese vollständig zu streichen.

Dennoch kann es zur Vermeidung von Betriebsprüfungen beziehungsweise zur Steigerung der Effizienz bei Betriebsprüfungen sinnvoll sein, zusätzliche Konten anzulegen und dementsprechend einen höheren Informationsgrad zu übermitteln. Dies ist natürlich auch im Hinblick auf die bisherige Informationspolitik zu entscheiden. Ein Rückschritt im Vergleich zu den Informationen, die in der Vergangenheit weitergegeben wurden, ist nicht zu empfehlen. Die tatsächliche Entscheidung liegt aber natürlich in den Händen des Steuerpflichtigen.

 

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