Kontakt
LucaNet bei YoutubeLucaNet bei FacebookLucaNet bei Google+LucaNet bei XingLucaNet bei TwitterLucaNet bei LinkedInFollow us on:
Software und Beratung für
Business Intelligence im Rechnungswesen

Zum IASB-Projekt "Rechnungslegungsstandards für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU)"


von: Judith Hey (Diplom-Kauffrau, Steuerberaterin, U.S. Certified Public Accountant) ist Partnerin in der Sozietät Hey & Heimüller


Seit dem Jahr 2005 sind börsennotierte Unternehmen innerhalb der Europäischen Union verpflichtet, ihren Konzernabschluss nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) aufzustellen. Mit der Umsetzung der entsprechenden EU-Verordnung in deutsches Recht im Rahmen des Bilanzrechtsreformgesetzes steht es auch nicht-börsennotierten Unternehmen in Deutschland seit 2005 frei, einen befreienden Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen und auch den Einzelabschluss wahlweise nach IFRS offen zu legen.

 

Zunehmend finden die IFRS somit auch bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Verbreitung. Die Gründe für die Anwendung von IFRS im Mittelstand können im Einzelfall ganz unterschiedlich sein, beispielsweise die Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen, die Optimierung des eigenen Bankenratings oder die Verbesserung der Finanzkommunikation innerhalb des Konzerns.

 

Das IASB als maßgebliches Gremium zur Weiterentwicklung der IFRS unterstützt diese Tendenzen nachhaltig und hat sich bereits seit dem Jahr 2003 ernsthaft mit der Frage beschäftigt, wie die Anwendung der IFRS speziell für KMU erleichtert werden könnte. Am 24. Juni 2004 hat das IASB ein Diskussionspapier veröffentlicht, welches von der fachlichen Öffentlichkeit im Allgemeinen sehr begrüßt wurde. Demnach ist geplant, separate Bilanzierungsstandards für KMU zu entwickeln, welche insbesondere die Ansatz- und Bewertungserfordernisse der IFRS sowie die entsprechenden Angabe- und Darstellungspflichten im Hinblick auf ein angemessenes Kosten-/Nutzenverhältnis vereinfachen sollen.

 

Im Januar 2005 wurde ein Projektplan des IASB vorgestellt, der die Entwicklung von KMU-Standards unter Einbezug aller maßgeblichen Interessengruppen weiter vorantreiben soll. Auf dieser Grundlage hat das IASB am 11. April 2005 schließlich einen Fragebogen zu möglichen Vereinfachungen der bestehenden IFRS speziell für KMU veröffentlicht. Bis zum 31. Mai 2005 hat die interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit, den entwickelten Fragebogen zu kommentieren und auf diesem Wege Einfluss auf die Entwicklung von KMU-Standards zu nehmen.

 

Erfahrungen bei der Umstellung des Rechnungswesens vom bundesdeutschen HGB auf IFRS haben immer wieder gezeigt, dass der Aufwand einer solchen IFRS-Umstellung - abhängig von den individuellen Zielsetzungen des Unternehmens - nicht unterschätzt werden sollte. Auf Grund der mitunter erheblichen Unterschiede zwischen HGB und IFRS ist eine Vereinfachung des IFRS-Regelwerks für KMU insbesondere auch aus deutscher Sicht zu begrüßen. Vor zu großer Euphorie in Bezug auf das KMU-Projekt beim IASB sollte jedoch gewarnt werden. Dies betrifft insbesondere den zeitlichen Horizont einer Einführung von KMU-Standards. Nach eigener Einschätzung wird deshalb noch viel Zeit vergehen, bis ein umfassendes Set von KMU-Standards eine spürbare Erleichterung bei der Bilanzierung und Offenlegung bringen wird.

 

Unternehmen, die sich aktuell oder in der näheren Zukunft mit der Frage beschäftigen, ihr Rechnungswesen auf IFRS umzustellen, ist deshalb anzuraten, Kosten und Nutzen einer Umstellung auf Basis der aktuellen IFRS abzuwägen. Trotz der teilweise hohen Komplexität der bestehenden IFRS eröffnet die Umstellung eine Vielzahl von Chancen, die auch ohne die Existenz eigenständiger KMU-Standards im Einzelfall genau analysiert und gegebenenfalls auch genutzt werden sollten.

 

Nach oben

Zurück zum Newsletter