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Cashflow - Ein Erfolgsindikator mit Frühwarnsystem - "DIE THEORIE"


von: Yvonne Preißler, Consultant, LucaNet AG

 

Aufgrund der Tatsache, dass die Eigenkapitalquote in vielen Unternehmen rückläufig ist, spielt der Cashflow für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Unternehmen für Kapitalgeber eine immer größere Rolle. Banken überprüfen, ob die Unternehmen speziell bei zunehmendem Verschuldungsgrad einen ausreichenden Cashflow erwirtschaften, um anfallende Zinsen und Tilgungsraten zahlen zu können. Ein hoher Cashflow verbessert die Chance zusätzliche Kredite zu erhalten, um weitere Investitionen tätigen zu können (Außenfinanzierung).

 

Der Cashflow gibt außerdem Auskunft darüber, ob ein Unternehmen die erforderlichen Finanzmittel aus eigener Kraft für die nötigen Investitionen zur Verfügung stellen kann. Er ist eine wichtige Maßgröße für das Innenfinanzierungspotenzial, welches wiederum ein Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens ist. Die Cashflow-Rechnung stellt den reinen Einzahlungsüberschuss dar.

 

Je höher der Cashflow, desto positiver ist die Liquiditätslage des Unternehmens.

 

Zur besseren Verständnis sollen vorab einige Begriffe definiert werden:

 

Einzahlungen sind der Zufluss von Zahlungsmitteln, bei denen ein Bank- oder Kassenkonto berührt wird. Beispiele für Einzahlungen sind: Barverkauf von Waren, Vorauszahlungen an das Unternehmen oder Aufnahme eines Barkredites.

 

Auszahlungen sind ein Abfluss an Zahlungsmitteln und berühren immer ein Bank- oder Kassenkonto. Beispiele für Auszahlungen sind: Barentnahmen, Bartilgung eines Lieferantenkredits oder Barkauf von Rohstoffen.

 

Einnahmen sind der geldwerte Verkauf von Gütern oder Zufluss von Geld in das Unternehmen aufgrund der Geschäftsvorgänge. Sie erhöhen das Geldvermögen im Unternehmen. Einnahmen stellen die Summe aus Einzahlungen, Forderungszugängen und Verbindlichkeitenabgängen dar. Einnahmen und Einzahlungen besitzen zwar Überschneidungsbereiche, jedoch sind diese auf jeden Fall zu unterscheiden. Ein Beispiel für eine Einnahme, die nicht gleichzeitig eine Einzahlung ist, ist der Warenverkauf auf Ziel.

 

Ausgaben sind der geldwerte Einkauf von Gütern oder Entnahme von Geld. Sie vermindern das Geldvermögen in einem Unternehmen und werden den Einnahmen gegenübergestellt. Die Ausgaben setzen sich aus den Auszahlungen, den Forderungsabgängen und den Verbindlichkeitenzugängen zusammen. Eine Ausgabe muss nicht in der gleichen Periode zu einer Auszahlung führen. Ein Beispiel für eine Ausgabe, die nicht gleichzeitig eine Auszahlung ist, ist der Wareneinkauf auf Ziel.

 

Erträge sind die in einem Unternehmen während einer Periode erwirtschafteten Gegenwerte für Güter und Leistungen. Sie werden den Aufwendungen der gleichen Periode in der GuV gegenübergestellt.

 

Aufwendungen sind die von einem Unternehmen während einer Periode verbrauchten Güter und Leistungen. Sie werden den Erträgen der gleichen Periode gegenübergestellt. Die Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen ist der Gewinn beziehungsweise der Verlust.

 

Für die Ermittlung des Cashflows stehen zwei Verfahren zur Verfügung:

    1. Direkte Cashflow-Rechnung
    2. Indirekte Cashflow-Rechnung

 

Bei der direkten (originäre) Ermittlung des Cashflows werden alle Auszahlungen von den Einzahlungen abgezogen. Die direkte Cashflow-Rechung lässt sich nur anhand der einzelnen Bewegungen der Bank- und Kassenkonten ermitteln, da Informationen zu den Zahlungsflüssen benötigt werden.

 

Eine indirekte (derivative) Cashflow-Rechnung kann aus den Daten der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz retrograd ermittelt werden. Der Gewinn (Jahresüberschuss) bzw. der Verlust (Jahresfehlbetrag) wird um die zahlungsungleichen Aufwendungen und Erträge korrigiert.

 

Unternehmen, welche nach IAS/IFRS und US-GAAP bilanzieren, sind verpflichtet eine Cashflow-Rechung aufzustellen. Im handelsrechtlichen Konzernabschluss sind lt. § 297 Abs. 1 HGB nur börsennotierte Mutterunternehmen verpflichtet, eine Cashflow-Rechung im Konzernabschluss zu veröffentlichen. Da sich im HGB keine Erläuterungen zur Cashflow-Rechnung befinden, ist der DRS 2 anzuwenden. Dieser Rechungslegungsstandard beruht im Wesentlichen auf den IAS 7 und auf den Ausführungen nach US-GAAP.

 

Die Cashflow-Rechnung wird nach IAS 7, DRS 2 und US-GAAP (SFAS 95) in drei Teile untergliedert.

    a) Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

      Periodenergebnis vor a.o. Posten
      +/- Abschreibungen/Zuschreibungen auf VG des Anlagenvermögens
      +/- Erhöhung/Verminderung von Rückstellungen
      +/- sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen/Erträge
      +/- Gewinn/Verlust aus Abgang von VG des Anlagevermögens
      +/- Bestandsvermehrung/-minderung des Vorratsvermögens
      +/- Zunahme/Abnahme von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
      +/- Zunahme/Abnahme von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
      +/- Veränderungen des sonstigen Nettoumlaufvermögens
      +/- a.o. Ein- und Auszahlungen

      = Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit



      b) Cashflow aus Investitionstätigkeit


        Einzahlungen aus Abgang von VG des Sachanlagenvermögens
        ./. Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen
        + Einzahlungen aus Abgang von VG des immateriellen AV
        ./. Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle AV
        + Einzahlungen aus Abgang von VG des Finanzanlagevermögens
        ./. Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen
        + Einzahlungen aus Verkauf konsolidierter Unternehmen
        ./. Auszahlungen für Erwerb von konsolidierten Unternehmen
        + Einzahlungen aus Finanzmittelanlagen bei kurzfr. Finanzdispositionen
        ./. Auszahlungen aus Finanzmittelanlagen bei kurzfr. Finanzdispositionen

        = Cashflow aus Investitionstätigkeit

       

        c) Cashflow aus Finanzierungstätigkeit

          Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen
          ./. Auszahlungen an Unternehmenseigner/Minderheitsgesellschafter
          + Einzahlungen aus Anleihen und Kreditaufnahmen
          + Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und Krediten

          = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit


        Berechnung des dynamischen Verschuldungsgrads


        Mit Hilfe der Cashflow-Rechnung kann die Verschuldungsfähigkeit eines Unternehmens analysiert werden. Hierbei ist der dynamische Verschuldungsgrad ein Maßstab für die Möglichkeiten der Schuldentilgung. Der dynamische Verschuldungsgrad errechnet sich aus dem Fremdkapital dividiert durch den Cashflow eines Geschäftsjahres. Folgende Formel wird zur Berechnung herangezogen:

         

      Dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Cashflow * 100

       

      Der dynamische Verschuldungsgrad ist eine wichtige Kennzahl, welche die Schuldentilgungsfähigkeit des Unternehmens beurteilt. Als Richtgröße sollte die Gesamtverschuldung das 3,5-Fache des Cash-flows in einem Geschäftsjahr nicht überschreiten.

       

      Je kleiner der Wert dieser Kennzahl ist, desto schneller kann ein Unternehmen seine Schulden aus selbst erwirtschafteten Mitteln tilgen. Ein niedriger Verschuldungsgrad ist ein Kennzeichen für finan-zielle Stabilität des Unternehmens.

       

      Die Cashflow-Analyse ist besonders zur längerfristigen Unternehmensbeurteilung sowie zum Vergleich innerhalb einer Branche geeignet.

      Zur Vertiefung der theoretischen Grundlagen empfehlen sich folgende Bücher:


      Titel: "Cash-flow und Unternehmensbeurteilung"; Autor: Behringer, Stefan; ISBN: 3-503-07090-7
      Titel: "Aktives Cashflow-Management"; Autor: Ertl, Manfred; ISBN: 3-8006-3022-2

      Vorschau

      Im nächsten Newsletter werden wir Ihnen "DIE PRAXIS" der Cashflow-Rechnung im summa • businesspilot erläutern und Ihnen Anregungen zur Analyse geben. Seien Sie gespannt!

       

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