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Wegfall der Goodwill-Abschreibung im Konzern nach IFRS Praktische Ansätze zum Impairment Test


von: Udo Potthast, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Partner bei Mönning & Partner, Hamburg

 

Für Unternehmenserwerbe, die nach dem 31. März 2004 stattfinden, wird auf Firmenwerte aus der Kapitalkonsolidierung keine planmäßige Abschreibung mehr vorgenommen. Stattdessen sind die ausgewiesenen Geschäfts- oder Firmenwerte einer jährlichen Werthaltigkeitsprüfung zu unterziehen, dem so genannten Impairment Test nach IAS 36. Für alle Geschäftsjahre, die nach dem 1. April 2004 beginnen, ist diese Regelung auch für bestehende Firmenwerte anzuwenden. Dabei bildet der letzte Buchwert (nach bislang erfolgten planmäßigen Abschreibungen) den Ausgangswert. Bisher vorgenommene Abschreibungen werden nicht zurückgerechnet.

 

Was im ersten Schritt wie eine willkommene Erleichterung und insbesondere Verbesserung der Ertragslage und der Eigenkapitalsituation aussieht, hat jedoch seine Tücken.

 

Während in ertragsstarken Jahren keine Abschreibungen vorgenommen werden, führen in Verlustzeiten die dann erforderlichen Abwertungen des Firmenwertes zu zusätzlichen Belastungen. Der Grundgedanke der IFRS/IAS, möglichst zutreffende Zeitwerte abzubilden, führt damit zu einer verstärkten Schwankung der Ergebnisse.

 

Unklar bleibt jedoch, wie der Impairment Test in seiner praktischen Umsetzung ausgestaltet sein muss. Die IFRS bleiben in IAS 36.80ff sehr theoretisch und auch die Literatur ist nicht immer eine Hilfe. Das IDW hat in seinem Entwurf IDW ERS HFA 16 auf 122 Textziffern die Auffassung des Berufstandes dargelegt. Darüber hinaus sind die grundsätzlichen Ansätze zur Unternehmensbewertung nach IDW S1 und zur Beteiligungsbewertung nach IDW RS 10 analog zu beachten.

 

Im Folgenden soll nicht die umfangreiche Theorie, sondern ein möglicher praktischer Lösungsweg aufgezeigt werden. Ausgangspunkt für den Impairment Test ist immer eine so genannte "cash generating unit" (im Folgenden CGU). Für diese CGU muss nach den Regeln der Unternehmens- und Beteiligungsbewertung ein Wert abgeleitet werden. Theoretisch kann dies ein Ertragswert oder auch der discounted cash flow (DCF) sein. In der Regel wird heute dem DCF der Vorzug gegeben.

 

Die Abgrenzung der geforderten CGU wird oftmals sinnvoll, wenn sie nur das Tochterunternehmen als Ganzes umfasst.

 

Der Wert einer Beteiligung und damit auch des Firmenwertes wird immer aus den zukünftigen finanziellen Entnahmeerwartungen abgeleitet werden. Dabei geben die gegenwärtige Situation und die realisierten Vergangenheitsergebnisse Hinweise auf die kritischen Erfolgsfaktoren. Für eine Bewertung müssen daher schlüssige Planungsrechnungen vorliegen. Eine integrierte Planung einschließlich Liquiditätsplanung und Planbilanz ist dabei unabdingbar, damit Investitionen und die Liquiditätswirkung durch Veränderungen von Bilanzposten berücksichtigt werden.

 

Die erwarteten Liquiditätsüberschüsse werden auf den Bewertungsstichtag diskontiert, wobei am Ende der Planungsperiode eine so genannte ewige Rente gebildet wird. D.h. die Werte z.B. des letzten Planjahres oder ein anderer langfristig für realistisch erachteter Wert, werden unendlich fortgeschrieben.

 

Neben dem als ewige Rente angesetzten Planergebnis stellt der bei der Abzinsung verwendete Zinssatz den größten Wert beeinflussenden Faktor dar. Für dessen Ableitung gibt es eine Reihe von anerkannten finanzmathematischen Verfahren. Für die Bewertung von mittelständischen Betrieben liegen die erforderlichen Finanzmarktinformationen oftmals nicht vor. Um dennoch zu angemessenen Werten zu gelangen, könnten folgende Überlegungen hilfreich sein:

 

Grundsätzlich impliziert eine Unternehmensbewertung nach neuerer Auffassung einen Vergleich der Unternehmensdaten mit einer Anlage in Aktien. Die unterschiedlichen Risikostrukturen beider Anlagen sollen durch Zuschläge auf die erwartete Aktienrendite erfolgen. Der Basiszins für die nachhaltig erwartete Rendite in DAX-Werte wird langfristig mit 9,5% angesetzt.

 

Der erforderliche Risikozuschlag hängt von der Struktur des Unternehmens und der Stabilität des Geschäftes ab. Ein gut eingeführter Supermarkt wird sicher einen geringeren Risikozuschlag erfordern, als eine neu gegründete Werbeagentur. Für die Einschätzung des Risikozuschlags sollte der Bewerter sich immer fragen, welche zusätzliche Rendite ein Dritter fordern würde, um in das Unternehmen zu investieren. Die Zuschläge variierten bei mittelständischen Unternehmen zwischen 3 und 10 Prozentpunkten auf den Basiszins, was zu Kalkulationszinssätzen vor Steuern von 12,5 bis 19,5% führt (Private Equity Gesellschaften fordern derzeit eine Verzinsung zwischen 13 und 18% für atypisch stille Beteiligungen).

 

Zur Überprüfung der Zinssätze kann sich die Ableitung aus Multiplikatoren anbieten. Sie vermitteln ein deutlich besseres Gefühl für die Angemessenheit der Bewertung als theoretisch abgeleitete Zinssätze. Der Kehrwert des Kalkulationszinssatzes bildet den Multiplikator auf den cash flow des Unternehmens. Ein Zinssatz von 12% entspricht einem Multiplikator von 8,3 und ein Zinssatz von 19% einem Multiplikator von 5,3. Auf der Website www.finance-magazin.de werden regelmäßig Multiplikatoren veröffentlicht, die weitere Hinweise für die eigene Einschätzung geben können.

 

Wurde der Unternehmenswert ermittelt, dann erfolgt die Werthaltigkeitsprüfung für den Firmenwert durch Gegenüberstellung des Unternehmenswertes mit dem "Buchwert der CGU". Dieser Buchwert umfasst nicht nur den bilanzierten Firmenwert, sondern auch das in der Konzernbilanz enthaltene Eigenkapital:

 

Unternehmenswert
./. Firmenwert in der Konzernbilanz
./. Eigenkapitalanteil der Tochtergesellschaft in der Konzernbilanz
= Abschreibungsbetrag (falls negativ)

 

Die Ermittlung des Eigenkapitalanteils des Unternehmens in der Konzernbilanz dürfte mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Dabei ist das im Rahmen der Erstkonsolidierung verrechnete Eigenkapital zu berücksichtigen. Hilfsweise könnte z.B. wie folgt vorgegangen werden:

 

+/./. Ergebnisbeiträge zum Konzernvortrag seit Erstkonsolidierung
+/./. Kapitalveränderungen (Einlagen, Ausschüttungen etc.)
= Eigenkapitalanteil in der Konzernbilanz

 

Da die Verpflichtung, einen Impairment Test durchzuführen, für jeden Abschlussstichtag besteht, sollte in Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer ein Bewertungsmodell erarbeitet werden, welches dauerhaft angewendet werden kann. Damit kann der im ersten Jahr sicherlich entstehende Zusatzaufwand zumindest in den Folgejahren in Grenzen gehalten werden.

 

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